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19.11

Verschwörungsmythen: ein Thema für den Jugendmedienschutz

von Maria Monninger unter Jugendschutz

Nicht nur für den Journalismus sind Verschwörungstheorien und -mythen ein Problem. Das gilt auch für den Jugendmedienschutz. Denn es geht um Medieninhalte, die mit Hass und Gewalt zu tun haben und Bedrohungsszenarien schildern. Besonders bei Kindern und Jugendlichen, die noch in der Entwicklung sind und ihre Werte und Einstellungen erst ausbilden, können Angst und Verunsicherung die Folge sein.

Verschwörungsmythen schüren Ängste und Zweifel 

Illustration: Rose Pistola, Quelle: Tendenz 2.20

Viele Verschwörungsmythen sind von einem extremistischen oder antisemitischen Weltbild geprägt. Sie richten sich gegen Wissenschaft, Regierungen oder Bevölkerungsgruppen, sind düster, suchen Sündenböcke, schaffen Feindbilder. Dadurch können sie in der Gesellschaft Zweifel und Ängste schüren und radikale Einstellungen, Hassgefühle und Gewaltbereitschaft verstärken.

Kinder und Jugendliche entwickeln ihr Welt- und Menschenbild in der Phase des Heranwachsens erst, Angst und Verunsicherung können die Folge der Rezeption von Verschwörungserzählungen in den Medien sein. Das Wirkungsrisiko ist besonders groß, wenn es um Themen mit Bezug zu ihrer Lebenswelt geht, wenn die Gestaltung der Medieninhalte jugendaffin ist und wenn „gefährdungsgeneigte“ Kinder und Jugendliche betroffen sind.

In ihrer Jugendschutzarbeit im Internet ist die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) im Laufe der Jahre immer wieder mit derartigen Inhalten konfrontiert gewesen und hat Aufsichtsverfahren gegen die Anbieter geführt.

Jugendschutzbeschwerden haben während Corona-Pandemie zugenommen

Während der Corona-Pandemie haben Bürgerbeschwerden zu Medieninhalten rund um Verschwörungstheorien aber deutlich zugenommen. Ein Beispiel hierfür ist die Website einer Schweizer Sekte im scheinbar seriösen Nachrichtenstil. Mit zahlreichen Videobeiträgen und vermeintlichen Nachrichtensprechern in Fernsehstudios werden zu Themen wie „Coronavirus“, „Satanismus“, „Impfen“ oder „Medienkrieg“ zahlreiche Verschwörungstheorien propagiert.

So finden sich auf der Website – neben dem alten Mythos der vermeintlich zentral gesteuerten und gleichgeschalteten „Lügenmedien“ – aktuelle Verschwörungstheorien rund um das Coronavirus („Biowaffe Coronavirus? Wie Medien verleumden und Infos unterschlagen“) sowie der Q’Anon-Bewegung „(„Adrenochrom: Menschenblut als Rausch- und Verjüngungsmittel“): Inhalte, die einen engen Bezug zum derzeitigen Alltag von Kindern und Jugendlichen haben (Coronavirus) bzw. die Kinder als Opfer darstellen („Adrenochrom“) und dabei mit Horrorelementen und Gewaltfantasien operieren.

Frühzeitige Aufklärung ist wichtig

Auch wenn manche Verschwörungserzählungen auf den ersten Blick harmlos und höchstens kurios erscheinen – wie z.B. der Mythos von der flachen Erde, der inszenierten Mondlandung oder von Politikern als Reptiloiden: Von dort ist es oft nicht weit zu gefährlicheren Verschwörungsgeschichten, gerade im vernetzten Internet. Glaubt man eine, glaubt man bald auch andere. Wie Verschwörungserzählungen und deren Verbreitung im Netz funktionieren, hat Giulia Silberberger vor kurzem in einem Beitrag für das BLM-Medienmagazin Tendenz 2.20 geschildert.

So kann man vom Glauben an die „Flacherde“ schnell zur Überzeugung gelangen, dass das Coronavirus von geheimen Mächten im Labor als Biowaffe gezüchtet wurde. Gleichzeitig sind Verschwörungsmythen aufgrund ihrer Vermischung von Fakten und Fiktion oft schwer zu widerlegen und ihre Anhänger kaum mehr davon abzubringen. Deshalb ist frühzeitige Aufklärung besonders wichtig.

Jugendschutzverfahren gegen Verbreitung von Verschwörungsmythen

Auch die Medienaufsicht kann ihren Teil zum Vorgehen gegen Verschwörungsmythen beitragen – durch Aufsichtsverfahren bei Jugendschutzverstößen: Dabei kann neben Bußgeldern auch die Untersagung von Internet-Angeboten wirkungsvoll sein. Angebote, die gegen den Jugendschutz verstoßen, müssen bei einer Untersagung aus dem Netz entfernt werden. Dies ist auch möglich, wenn es um keine absolut unzulässigen Inhalte geht, sondern „nur“ eine Jugendgefährdung vorliegt – wie es gerade bei Verschwörungsmythen der Fall sein kann.

Hintergrundinformationen zu Desinformation und Verschwörungstheorien sind in  folgenden tendenz-Artikeln zu finden:

Corona-Krise: Einfallstor für Verschwörungsmythen – Vertrauen in seriösen Journalismus stärken

Mit Wissen und Aufklärung gegen Desinformation im Netz

Fakten statt Fakes

Zwischen Emotion und Desinformation

 

 

 

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