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16.02

Medienkompetenz als Schlüsselqualifikation – Medienanstalten stellen Medienkompetenzbericht vor

von Bettina Pregel unter Medienkompetenz

Wer medienkompetent ist, kann die Chancen der digitalen Medien nutzen und ihre Risiken minimieren. Das ist gerade im Zeitalter der „Always on“-Mentalität besonders wichtig. Den verantwortlichen und kritischen Umgang mit Medien fördern die Landesmedienanstalten durch zahlreiche Gemeinschafts- und Einzelprojekte. Eine detaillierte Übersicht bietet der neue Medienkompetenz-Bericht, der heute in Berlin vorgestellt wurde.

MedienkompetenzberichtKnapp 200 Seiten dick und mit drei Fachaufsätzen, sieben gemeinsamen Medienkompetenz-Projekten sowie allen Einzelprojekten von 14 Landesmedienanstalten gefüllt: Das ist schon einiger Lesestoff, den der Medienkompetenzbericht bietet. In Berlin sind heute morgen exemplarisch einige Gemeinschafts- und Einzelprojekte der Öffentlichkeit vorgestellt worden.

Medienkompetenz als gesellschaftliche Querschnittsaufgabe

Medienkompetenz-Förderung müsse als gesell­schaftliche Querschnittsaufgabe verstanden werden, betonte DLM-Vorsitzender Siegfried Schneider in seinem Impulsreferat zum Auftakt des parlamentarischen Frühstücks in Berlin. Zu den Zielgruppen der Fördermaßnahmen gehörten nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Eltern, Großeltern und Pädagogen. Generell als Anwalt für Mediennutzer- und nutzerinnen zu fungieren, sieht Schneider vor diesem Hintergrund als wesentliche Rolle der Medienanstalten.

Siegfried Schneider

DLM-Vorsitzender Siegfried Schneider, Foto: BLM

Die hohe Zahl an Initiativen und Projekten zeigt, wie wichtig den Medienanstalten einer ihrer gesetzlich festgeschriebenen Kernaufträge – die Förderung von Medienkompetenz – ist. Jochen Fasco, Direktor der Thüringer Landesmedienanstalt und als Koordinator des DLM-Fachausschusses „Bürgermedien, Medienkompetenz und Jugendschutz der Landesmedienanstalten“ verantwortlich für den Medienkompetenzbericht, erklärte in Berlin: „Mit ihren Aktivitäten zur Förderung von Medienkompetenz verfolgen die Landesmedienanstalten das Ziel, Erwachsenen sowie Kindern und Jugendlichen den Zugang zu den positiven Nutzungspotenzialen der Medien zu eröffnen, Medien reflektiert zu nutzen und Risiken zu vermeiden.“

Gemeinschaftsprojekte und Aktivitäten der Medienanstalten

Die Bandbreite der Aktivitäten reicht von Vernetzungsprojekten über Qualifikations- und Beratungsangebote für Eltern und Kinder, Unterrichtsmaterialien und Mediamobile bis hin zu Offenen Kanälen und Bürgermedien. In Bayern beispielsweise hat die Stiftung Medienpädagogik Bayern der BLM mit dem Medienführerschein und dem Medienpädagogischen Referentennetzwerk zwei Projekte angestoßen, die auf beachtliche Resonanz in Schulen und Kindertagesstätten gestoßen sind. Einen weiteren Schwerpunkt der bayerischen Aktivitäten bildet die Förderung von Medienkompetenz durch aktive Mediengestaltung. Besipiele dafür sind das Schulradio Bayern oder die medienpädagogischen Redaktionen der afk-Aus und Fortbildungskanäle.

FlIMMO – Programmratgeber für Eltern

Flimmo-Cover

Zu den Gemeinschaftsprojekten der Medienanstalten, aus denen wir hier vier Initiativen exemplarisch herausgreifen, gehört auch der FLIMMO, Programmratgeber für Eltern, der vor knapp 20 Jahren von der BLM initiiert wurde und mittlerweile von 13 Medienanstalten und dem IZI im Rahmen eines Vereins finanziert wird.

In Kindergärten, Grundschulen oder Arztpraxen findet man die Broschüren, die dreimal pro Jahr erscheinen. Die Website www.flimmo.tv und eine App ergänzen das Angebot. Und in vielen Bundesländern liegt der FLIMMO auch in der Schultüte der Erstklässler. Einschließlich der Schultütenaktionen werden jährlich mehr als eine Million Hefte verbreitet.

„Seit 19 Jahren unterstützt FLIMMO Eltern nun schon bei der Fernseh- und Medienerziehung ihrer Kinder. Über ein vielfältiges Multiplikatorennetzwerk erreichen die Broschüren Eltern und Erziehende in ganz Deutschland. Auch Änderungen der Fernsehgewohnheiten hat FLIMMO im Blick. Neben Erklärungen und Hilfestellungen zu neuen Übertragungswegen können über App und Onlineangebot mehr als 11.000 Einschätzungen zu Sendungen abgerufen werden. In dieser Form ist der Fernsehratgeber einzigartig und erfährt sehr viel positive Resonanz“, so Verena Weigand, Vorstandsvorsitzende des Vereins Programmberatung für Eltern e.V., der den Fernsehratgeber herausgibt.

 „Ein Vorzeigeprodukt“

gelb_mit_verein_floh_gestreif -kleinDer Programmratgeber unterstützt Eltern bei der Bewertung von Fernsehsendungen und liefert Tipps zur Medienerziehung. Auf diese Weise erfahren Eltern, Großeltern und andere Interessierte, ob eine Sendung für Kinder geeignet ist, welche Inhalte unter Umständen Probleme bereiten könnten und was lieber nicht auf dem Programm stehen sollte. Zur besseren Orientierung werden die Sendungen den drei Rubriken „Kinder finden‘s prima“, „Mit Ecken und Kanten“ und „Nicht für Kinder“ zugeordnet.

Bei der Programmbewertung durch die Redaktion des JFF- Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis steht die Kinderperspektive im Mittelpunkt, also die Frage, wie Kinder mit bestimmten Fernsehinhalten umgehen, welche Gefühle sie dabei erleben und welche Verarbeitungsprozesse je nach Alter zu erwarten sind. Die Einschätzung der Sendungen erfolgt nach festen Kriterien, die wissenschaftlich und pädagogisch fundiert sind.

Der FLIMMO hat bereits einige Preise bzw. Auszeichnungen erhalten. Doch der Erfolg des Programmratgebers lässt sich am besten durch Rückmeldungen aus der Praxis veranschaulichen. So schrieb beispielsweise eine Referentin: „Ihr Vorzeigeprodukt lässt sich wirklich klasse in einen Elternabend im Kindergarten einbinden! Dafür  mache ich sehr gern Werbung.“

Internet-ABC: Wissen, wie’s geht

Kindern den sicheren und kompetenten Umgang mit dem Internet zu vermitteln, ist das Ziel des 2003 gegründeten Vereins Internet-ABC.  Die erste werbefreie und nicht-kommerzielle Website zur Orientierung rund um das World Wide Web ist ein Kooperationsprojekt der Landesmedienanstalten mit verschiedenen kirchlichen Organisationen, Bildungs- und Kinderschutzinitiativen.

Internet-ABC

Stolz auf den Surfschein für das Internet-ABC. Foto: Agentur Fox

Das Motto „Wissen, wie’s geht“ richtet sich aber mittlerweile nicht mehr nur an die Zielgruppe Kinder. Auch für Eltern und Lehrkräfte ist das Internet-ABC mit Extraseiten zum verlässlichen Partner geworden. Zu aktuellen Themen wie dem Umgang mit persönlichen Daten, sozialen Netzwerken, Messenger-Diensten wie WhatsApp sowie zu Kostenfallen oder Cybermobbing liefert das Online-Angebot die passenden Antworten.

Auf spielerische Weise sicher ins Netz einsteigen

Das ABC des Internets zu beherrschen, ist neben Lesen, Schreiben und Rechnen längst eine Schlüsselqualifikation. Hier setzt das mit seinem Angebot für Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren an: In den vier Kategorien „Hobby & Freizeit“, „Lernen &Schule“, „Spiel & Spaß“ und „Mitreden & Mitmachen“ erlernen sie auf spielerische Weise die Basiskompetenzen für den sicheren Einstieg ins Netz.

Zwölf vertonte Lernmodule unter anderem zu den Themen Sicherheit, Recherchieren, Suchmaschinen, Werbung, Viren oder soziale Netzwerke vermitteln das erforderliche Grundwissen. Daneben bietet das Internet-ABC Seiten zum Spielen, Lernen und Kommunizieren an, damit sich Kinder gefahrlos mit dem Internet vertraut machen können.

Ein besonders nützliches Instrument für Eltern: der  Mediennutzungsvertrag, ein Kooperationsprojekt mit der EU-Initiative „klicksafe“. Darin soll im Dialog zwischen Eltern und Kindern u.a. eine Antwort auf die leidige Frage „Wie lange darf ich spielen/chatten etc.?“ gegeben werden.

Klicksafe.de: grenzenlos geklickt

„Im wirklichen Leben würden Sie Ihre Kinder schützen. Dann machen Sie es doch auch im Internet.“  Der klicksafe-Werbespot „Wo ist Klaus?“ hat die EU-Initiative klicksafe zur Förderung der Medienkompetenz im Umgang mit dem Internet und neuen Medien bundesweit bekannt gemacht.

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https://www.youtube.com/watch?v=MHILvEUWiao#t=12

Klicksafe arbeitet seit 2004 als deutscher Partner im „Safer Internet Programm“ der Europäischen Union. Die Initiative fördert die Medienkompetenz von Internetnutzern und trägt so aktiv zu höherer Sicherheit im Internet bei. klicksafe vernetzt bundesweit die Akteure und Initiativen, die in den Bereichen Internetsicherheit und Medienkompetenz­förderung agieren

Safer Internet Day 2015

Eine der Aktionen zum #sid15. Foto: klicksafe

Die Angebote von klicksafe umfassen Materialien und Konzepte für Schule, Unterricht und außerschulische Jugendarbeit (z. B. Lehrerhandbuch, Unterrichtsmodule), für Eltern (z. B. Broschüren und Flyer), sowie für Kinder und Jugendliche (z. B. Flyer,Online-Quiz). Fest etabliert sind inzwischen sowohl der Beirat, der klicksafe und den Partnern im Safer Internet Centre beratend zur Seite steht, als auch das Youth Panel und das Children‘s Panel.

Mit dem internationalen Safer Internet Day (SID) koordiniert klicksafe jedes Jahr den zentralen Aktionstag zur Internetsicherheit in Deutschland. Die Aktionen zum Safer Internet Day sind immer ein großer Erfolg. 2014 eröffnete beispielsweise Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig den Pressetermin zum Safer Internet Day mit dem Thema: „Wie das mobile Internet unser Leben verändert.“

KIM, JIM und FIM: Medienforschung für die Praxis

mpfs_kim studie_2014_141009_a4_cover_4c_RZ.inddWer einen Beleg für den Medienalltag von Kindern und Jugendlichen braucht, zitiert die KIM- oder JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest (mpfs), an dem zwei Landesmedienanstalten und der Südwestrundfunk beteiligt sind.

Seit 1998 bzw. 1999  liefern die beiden Langzeitstudien kontinuierlich Daten zum Umgang von Kindern (6-13 Jahre, KIM-Studie) und Jugendlichen (12-19 Jahre, JIM-Studie=) mit Medien. Ergänzend dazu wurde 2011 in der FIM-Studie (Familie, Interaktion, Medien) die Mediennutzung aller Familienmitglieder erfasst.

Danach ist für die Kinder immer noch das Fernsehen das zentrale Medium, während es für die Jugendlichen das Internet ist. Die Intensität der Internetnutzung ist aber auch bei den Kindern in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen. Ob es um die Medienbeschäftigungen in der Freizeit, die Entwicklung der Internetnutzung oder die Zahl der Smartphone-Besitzer geht, die KIM- und JIM-Studien liefern die entsprechenden Daten und Fakten, die als wissenschaftliche Basis nicht nur für die medienpädagogische Forschung unerlässlich sind.

Studien führen zu konkreten Projekten

Die Forschungsergebnisse aus den Studien führen teilweise auch zur Entwicklung konkreter Projekte. Schon vor der zentralen Bedeutung des Smartphones für die mobile Internetnutzung zeigten die Ergebnisse der JIM-Studie in den vergangenen Jahren die immense Bedeutung des Handys für die Lebenswelt von Jugendlichen. Auf Basis dieser Erkenntnis startete der mpfs 2005 gemeinsam mit der LfM das Informationsangebot für Jugendliche handysektor.

In zahlreichen Einzelstudien befassen sich die Landesmedienanstalten außerdem mit medienpädagogischen Fragestellungen sowie Aspekten der Mediennutzung und Medienwirkung. Aktuelle Beispiele sind Untersuchungen zu den Themen Social-TV (LfM, NLM), eine Migrantenstudie (SLM) oder eine Untersuchung zur Frage, inwieweit Kinder Werbung im Internet wahrnehmen (LMK, LfM). Zusätzlich gibt es Studienreihen, die sich über einen längeren Zeitraum erstrecken. Ein Beispiel ist die Medienkonvergenzstudie der BLM, in der das Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis (JFF) über Jahre hinweg Teilaspekte der Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen untersucht hat.

Zur Info:

Der Medienkompetenzbericht steht unter www.die-medienanstalten.de zum Download zur Verfügung. Er kann aber auch bei der Gemeinsamen Geschäftsstelle in Berlin, im Buchhandel (ISBN  978-3-89158-621-1) oder direkt beim Vistas-Verlag bestellt werden.

 

 

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