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19.07

„Es hätte wirklich schlimmer kommen können“ – Zum Abschied von BLM-Geschäftsführer Martin Gebrande

von Bettina Pregel unter Inside

Jetzt wird’s persönlich! Nach dem Motto „Was Sie schon immer über Martin Gebrande wissen wollten“, haben wir unserem Geschäftsführer zum Abschied 30 Fragen zu fast 30 Dienstjahren in der BLM gestellt. Die Antworten zeigen, dass ihm der Ruhestand sicherlich keine Probleme bereiten wird.

BLM-Geschäftsführer Martin Gebrande sagt leise Servus. Fotos: BLM

Blmplus: Mehr als 40 Dienstjahre, davon fast 30 in der BLM. Sagen Sie leise Servus oder was fällt Ihnen spontan zum Abschied ein?

Martin Gebrande: Mir fällt spontan vor allem ein, dass ich sehr dankbar bin für 30 so interessante Berufsjahre, wie sie viele andere sicherlich nicht hatten. Es hätte wirklich schlimmer kommen können.

Geboren Nordrhein-Westfalen, aufgewachsen in Unterfranken – was haben Sie aus welcher Region mitgenommen?

Aus NRW habe ich vor allem die Sehnsucht nach dem Süden mitgenommen, die man dort bei sehr vielen Leuten findet, und aus Unterfranken die Liebe zum Wein, weil ich direkt über einem Weinkeller aufgewachsen bin.

Fühlen Sie sich mit Ihrer Geburtsstadt Radevormwald auf der Höhe?

In München liege ich sogar noch 100 Meter höher als in Radevormwald.  Also bin ich über meinen Geburtsort sozusagen hinausgewachsen.

Wenn Sie sich im Ruhestand für einen Wohnsitz entscheiden müssten – wäre es Unterfranken oder München?

Ich werde in München bleiben, aber als Region käme eher Niederbayern, z.B. das Rottal, in Frage. Das habe ich vor allem durch meine erste Frau lieben gelernt. Die sanfte Landschaft, die Art der Menschen: Man fühlt sich dort einfach wohl.

Hohes C statt Elfmeter

Schon irgendwelche Pläne für Ihren Ruhestand und die Freizeitgestaltung?

Länger schlafen, also bis 7.30 oder 8.00 Uhr statt wie bisher bis 6.00 Uhr, gemeinsam frühstücken, viel Kultur und mehr Bewegung als bislang im Büro. Und dann dienstags an den Tegernsee statt am Wochenende, weil dann nicht alle am Tegernsee sind.

A propos Freizeit: Mailänder Scala oder Stehhalle bei den Löwen?

Deutlich: Hohes C statt Elfmeter.

Klassische Musik ist ihr Steckenpferd, welcher Komponist passt am besten zur BLM?

Johann Sebastian Bach: Die Kunst der Fuge. Das ist doch so wunderschön durchreguliert, das passt zur BLM.

Mit welchem Prominenten würden Sie am liebsten ein Kirchenlied singen?

Am liebsten mit Angela Merkel, sie ist ja auch Pastorentochter und eine der prägenden Persönlichkeiten unserer Zeit.

Mit Edmund Stoiber und Winfried Kretschmann auf die Zugspitze

Und mit welchem Politiker würden Sie gerne die Zugspitze erklimmen?

Eigentlich mit zwei Politikern: mit Edmund Stoiber und Winfried Kretschmann. Thema: Fit im Alter. Eine Kombination, die über dieses Thema hinaus noch einen eigenen interessanten politischen „Sprengstoff“ bieten würde.

Wandern gehört zu Ihren Lieblingshobbies: Welches Ziel fehlt noch in Ihrem Tourenkalender?

Da fehlen noch ganz viele Ziele. Zur Zeit muss ich wegen Rückenproblemen etwas zurückstecken. Deshalb würde ich erstmal mit dem ersten Stück des Jakobsweges anfangen: von München bis Lindau.

Martin GebrandeWer sich viel bewegt, kann danach das Essen genießen. Was würden Sie vorziehen? Schwammerlsuppe mit Semmelknödel daheim oder lieber Sternemenü beim Schuhbeck?

Ganz bestimmt die Schwammerl und idealerweise selbst gesammelt.

Sie mögen ja gerne Süßes. Welchen Kuchen backen Sie Ihrer Frau zum Geburtstag?

Ich bin nur Kuchenesser, leider kein Kuchenbäcker. Ich würde mir den Kuchen, in dem Fall eine Schwarzwälderkirsch-Torte, von unserem Restaurantchef Peter Voburger backen lassen. Generell hat die Küche aber schon Gewicht in meinem Privatleben: Ich bin groß beim Einkaufen und groß beim Abspülen.

Da wir gerade wieder beim Berufsleben sind: „Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie durchaus studiert, mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor“, sagt Faust in seiner Studierstube. Mit welchem Studium wären Sie gerne noch klüger geworden?

Mit der Betriebswirtschaft, die hätte ich nämlich in der BLM auch gut gebrauchen können,  und hätte mich da nicht immer auf andere verlassen müssen. Wenn es um ein Seniorenstudium ginge, wäre es dann eher wieder etwas im philosophischen Bereich, z.B. Kunstgeschichte.

Was ein Pressesprecher nie sagen darf

Bevor Sie zur BLM kamen, waren Sie Pressesprecher im Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst. Welchen Satz darf ein Pressesprecher nie sagen?

„Dazu kann ich nichts sagen.“

 Sie haben privat viel mit Pädagogen zu tun – ein Beruf, den Sie sich selbst einmal vorstellen konnten?

Nach meiner Erinnerung nur im Grundschulalter. Seit meinem Eintritt in die Oberstufe war es für mich klar, ich wollte Jurist werden, weil ich das als einen Beruf angesehen habe, bei dem man viel gestalten kann, vor allem als Verwaltungsjurist.

Sie sind Meister im Abarbeiten von Mappen. Ganz ehrlich – schon mal eine blanko abgezeichnet oder heimlich in den Müll geworfen?

Blanko abgezeichnet sicherlich nein, denn ich hatte das prägende Erlebnis, dass ein früherer Chef von mir sein Amt verloren hat, weil er das getan hat. In den Müll höchstens symbolisch: Wenn man mal Mappen liegen lässt, können  sie sich bisweilen auch von selbst erledigen. Da schließe ich nicht aus, dass das passiert ist.

Martin GebrandeErgänzen Sie doch bitte diesen Satz: Die Zusammenarbeit mit den privaten Rundfunkanbietern hat ….

… trotz der sehr unterschiedlichen Aufgabenstellungen fast immer funktioniert.

Und diesen: An der Zusammenarbeit mit dem Medienrat habe ich … geschätzt.

… vor allem den Kontakt mit den Menschen aus den sehr unterschiedlichen Organisationen, die dort vertreten sind.

Wir haben noch jeden auf das richtige Niveau gebracht

Wissen Sie noch, was Sie dem aktuellen BLM-Medienratsvorsitzenden Walter Keilbart mit auf den Weg gegeben haben, als er überlegt hat, für den Vorsitz des Medienrates zu kandidieren?

… das wäre doch ein schönes Amt für Ihren Ruhestand. Was seine Unterstützung betrifft, habe ich ihm zugesichert: „Machen Sie sich keine Sorgen. Wir haben noch jeden Vorsitzenden auf das richtige Niveau gebracht.“

A propos Zusammenarbeit mit den Rundfunkanbietern: Warum sollten Pressesprecher*innen solche sperrigen Begriffe nicht verwenden?

Ich glaube, manchmal muss man sie einfach verwenden, weil sie korrekt sind. Sonst bekommt man möglicherweise einen falschen Zungenschlag, der juristisch nicht korrekt ist. Das ist zwar doof, ist aber so!

Rechtschreibung und Kommasetzung leicht gemacht mit Herrn Gebrande, ein Job, den Sie sich für den Ruhestand vorstellen können?

Nein, auf keinen Fall. Dann lieber moderne Lyrik ohne jede Interpunktion.

Demnächst können Roboter vielleicht bestimmte Jobs in dieser Richtung übernehmen. Das digitale Zeitalter – Fluch oder Segen für digital immigrants over 60? Und für Sie ganz persönlich?

Ganz bestimmt überwiegt der Segen, da dadurch in vielen Bereichen das Leben leichter gemacht wird.

Eine echte Innovation: eine Frau an der Spitze der BLM

Wie erklären Sie „Otto Normalverbraucher“ den Unterschied zwischen analog und digital? Und wie den Begriff Innovation?

Ich bin ja für die Erklärung kein Physiker, sondern in dieser Hinsicht einfach Nutzer: digital – alle Medien über eine Technologie, mehr Vielfalt und bessere Qualität. Innovation heißt – positiv übersetzt – etwas Neues, was dein Leben bereichern kann.

Was wäre eine echte Innovation für die BLM und deren Mitarbeiter*innen?

Eine Frau an der Spitze der BLM.

Die Digitalisierung bringt viele Veränderungen in der Arbeitswelt mit sich: Flexibel zuhause oder im Büro in freier Zeiteinteilung arbeiten – ein Schreck­gespenst für den Geschäftsführer einer behördenähnlichen Institution?

Nicht mehr, weil ich festgestellt habe, dass eine gesunde Work-life-Balance offenbar zufriedene Mitarbeiter bedeutet und zufriedene Mitarbeiter produktiv sind.

Das war tatsächlich mal ein Schreckgespenst für mich, weil ich den Eindruck hatte, dass dann Strukturen verloren gehen und die Produktivität sinkt. Das ist aber nicht so.

Ohne Smartphone geht heute kaum noch etwas im Berufsleben. Wie häufig werden Sie das Smartphone im Ruhestand in die Hand nehmen und vor allem wofür?

Ich werde es ständig als Begleiter für alles in die Hand nehmen: Fotos machen, Landkarte beim Wandern, Einkaufsliste eintippen, schnell etwas im Internet nachschauen, eine SMS verschicken oder vielleicht sogar mal telefonieren.

A propos SMS: Läuft die Kommunikation mit der Familie eher direkt oder per Whatsapp?

Zum Glück, da viele Familienangehörigen noch in meinem unmittelbaren Umfeld leben, auch sehr viel direkt. Whatsapp bisher nicht, weil es die IT ja aus Datenschutzgründen untersagt hatte. Das wird aber das erste sein, was ich einstelle, wenn ich im Ruhestand bin.

Gute-Nacht-Geschichten für die künftigen Enkelkinder

Sie sind frisch verheiratet, haben viele Hobbys und Ehrenämter – zum perfekten Rentnerglück fehlen jetzt nur noch die Enkelkinder. Wie gut stehen die Chancen, dass Sie nächstes Jahr Opa sind?

 Statistisch gesehen gut, denn 29.8 Jahre ist das durchschnittliche Alter für die Erstgebärenden in Deutschland. Und da habe ich zwei Töchter und zwei Stieftöchter im passenden Alter.

Was haben Sie als Vater verpasst, dass Sie als Großvater nachholen möchten?

Ich erinnere mich nicht daran, dass ich etwas verpasst hätte. Aber ich erinnere mich an etwas, das ich gerne wieder tun möchte: nämlich den Enkelkindern Gutenacht-Geschichten vorlesen, z.B. „Jim Knopf“ oder „Die unendliche Geschichte“.

Wenn Sie als Familie eine gemeinsame Reise unternehmen wollen: Auf welches Ziel könnten sich alle Familienmitglieder einigen ?

Allgund bei Meran, weil das unser Familienziel ist. Das muss einmal im Jahr sein, mit möglichst vielen – vom Kind bis zum Greis.

 

 

 

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