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24.06

Homeoffice für Radiomacher? Geht!

von Julia Wassilkow unter Radio

Desinfektions-Tücher und Mundschutz sind an jedem Arbeitsplatz mittlerweile so normal wie Zettel und Kugelschreiber. Unsere Arbeitswelt hat sich in den letzten vier Monaten verändert. Was vor ein paar Jahren viele Radiomacher nicht für möglich gehalten haben, ist in diesen außergewöhnlichen Corona-Zeiten Realität geworden: Arbeiten im Home-Office beim Radio. Julia Wassilkow von der BLR berichtet für blmplus von ihren Erfahrungen.

„So schnell wie möglich ins Home-Office!“

Radio-Nachrichten aus dem Schrank. So geht Homeoffice. Fotos: BLR

Arbeiten mit Sicherheitsabstand und von zu Hause aus. Nicht so einfach – normalerweise gleichen die Räume der BLR (Dienstleistungsgesellschaft für Bayerischen Lokal-Radio-Programme) einem kleinen Bienenstock – 40 lokale Radiosender in Bayern wollen mit Content beliefert werden. Im Newsroom recherchieren, schreiben und sprechen an einem normalen Tag fünf Nachrichten-Redakteure, ein News-CvD und ein Sport-Redakteur die Nachrichten für Bayern. Zusätzlich bereiten CvD, Redakteure, Volontäre und Planer redaktionelle Inhalte wie Kollegengespräche, Moderationen und aktuelle Töne für die BLR-Kunden vor. Abstand halten unmöglich!

Mitte März wurde die Hälfte der Mitarbeiter ins Home-Office geschickt. Seitdem halten sich maximal fünf Mitarbeiter im Großraumbüro auf. Die BLR-Gesellschafter stimmten sofort zu, insgesamt 14 Home-Office-Sets zu beschaffen, bestehend aus Laptop, zweitem Bildschirm, Mikrophon und Schallschutz. Problem: Zu dieser Zeit waren Laptops begehrte Ware und nur nach und nach mit Wartezeit zu bekommen.

Dank Überstunden von Technikern und Redaktion konnten schon vier Tage nach der finalen Home-Office-Entscheidung die ersten Tests von zu Hause aus beginnen. Die ersten Laptops waren mit den für die BLR wichtigen Funktionen Newswire, Newsstar, Word und Digas ausgestattet. Die redaktionelle Arbeit von zu Hause funktionierte von Anfang an problemlos. Ein CvD in der Redaktion koordiniert per mail, Chat und Telefon die Arbeit der Redakteure im Home-Office.

Der Kleiderschrank als Sprecher-Kabine

Julia Wassilkow, Redaktionsleiterin bei der BLR.

Größere Probleme bereitete uns die Nachrichten-Redaktion. Wofür die Redakteure unter normalen Umständen ein voll ausgestattetes Studio haben, musste jetzt zu Hause am Laptop funktionieren. Ist die Internet-Leitung stabil? Funktioniert die Technik und wo klingt die Aufnahme der News am besten? Da sind die BLR-Redakteure kreativ geworden und haben sich mit Kartons und Kleiderschrank kleine Sprecher-Kabinen gebaut. Mittlerweile hat sich die Arbeit im Home-Office gut eingespielt. Höchste Priorität hat jetzt der Arbeitsschutz, der natürlich auch für die Kollegen zu Hause gewährleistet sein muss.

Mit Toaster und Vogelgezwitscher in der Morningshow

Auch die von der BLR belieferten Radiostationen haben in den letzten Monaten die verrücktesten Home-Office-Erfahrungen gemacht. Wie bei vielen Stationen sendete auch der Morningshow-Sidekick bei Charivari 95,5 in München von zu Hause aus. Laut Programmchef Heiko Seeringer kam es dabei immer wieder zu lustigen Situationen. Mehrmals war statt des Wetterberichts ein Klack-Geräusch des Toasters zu hören.

Corona-Notlösung: Das Mini-Radiostudio zuhause.

Volontärin Vanessa vom Funkhaus Würzburg hat viele Stunden mit Bayerns Ministerpräsident Söder im Bett verbracht: Denn dort hat sie von zu Hause aus die vielen Pressekonferenzen für die Kollegen im Studio mitgetickert und anschließend die Töne geschnitten. Besonders angenehm findet es Hitradio rt1-Programmchef Mirko Zeitler, die Morningshow von der Terrasse aus zu moderieren. „Ruhe bitte!“ musste Redakteurin Roxy Schelter von Radio Alpenwelle vor jeder Live-Schalte ins Studio den Bauarbeiten vor ihrem Fenster zurufen.

„Ich freu mich, morgen wieder in der Redaktion zu sein.“

Corona hat unsere Arbeitswelt durcheinander gewirbelt. Jeder für sich musste seinen ungewohnten Arbeitstag zu Hause völlig neu organisieren. Die Arbeit zu Hause bietet uns beim Lokalradio viele Möglichkeiten und große Flexibilität, was wir uns auch nach der Pandemie beibehalten sollten.

Aber: Wir brauchen einander – hoffentlich bald wieder ohne Sicherheitsabstand. Ein Satz von unserem Volontär hat mir letzte Woche ein Strahlen ins Gesicht gezaubert: „Ich freu mich, morgen mal wieder zu euch in die Redaktion zu kommen.“

Weitere Infos:

Wie Radio aus dem Homeoffice funktionieren kann, hat das MedienNetzwerk Bayern in seiner „Media Insights“-Talk-Reihe thematisiert. Am 17. Juni 2020 ging es um „Cloudsysteme und Homestudios“ für Radiomacher.

Ein Kommentar

Ein Kommentar zu: Homeoffice für Radiomacher? Geht!

  1. Ein toller Artikel über die Möglichkeiten im Homeoffice. Für Leute, die lange sitzen müssen im Homeoffice, sollte die Ergonomie am Arbeitsplatz bei der Einrichtung des Büros berücksichtigt werden.

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